GSA Convention 2019

Voices of Change: Die Convention der German Speakers Association (GSA)

„Voices of Change“ – so lautete das Motto der diesjährigen Convention der German Speakers Association (GSA) in Frankfurt. Für meine Frau Lyudmyla und mich sind die Conventions der GSA seit zwölf Jahren ein fester Bestandteil unseres Kalenders, in diesem Jahr besonders.

Es beginnt für uns am Donnerstag, den 5. September 2019. Auf dem offiziellen Programm: Die Mitgliederversammlung der GSA. Als Schatzmeister – dieses Amt bekleide ich seit sechs Jahren – habe ich den Mitgliedern darzulegen, wie es um die Finanzen steht. Das ist aus verschiedenen Gründen kein einfaches Unterfangen. Zum Einen inhaltlich: Der Verein erstellt Einnahme-/Überschussrechnungen und das führt – wie in ganz vielen Unternehmen und fast allen Vereinen – dazu, dass Ein- und Auszahlungen das Bild bestimmen, aber nicht die im jeweiligen Jahr erbrachten Leistungen oder eingegangenen Verpflichtungen. Die „wahre“ Produktivität eines Jahres ist daraus im Grunde ebenso wenig erkennbar wie die „echten“ Verbindlichkeiten. Im Ergebnis können wir indes relativ zufrieden sein. Der Verein steht von Jahr zu Jahr ein wenig besser dar und gewinnt finanziell an Spielraum. Zum anderen ist der Bericht des Schatzmeisters nicht hürdenfrei, weil vor ihm nicht etwa Bankmitarbeiter und Behördenmitarbeiter sitzen, sondern Speaker, die wissen, wie man spricht. Wie immer also unternehme ich den Versuch, die speaker-typische Mischung aus einer Prise Information und einer bunten Verpackung zu präsentieren. Die Mitglieder sehen es auch diesmal mit Wohlwollen – und die, die eigentlich noch tiefer in die Zahlen eingestiegen wären, mit Toleranz.

Am tisch

Dieses Jahr stehen auch Neuwahlen des Vorstandes auf der Tagesordnung. Es haben sich erkennbar mehr Kandidaten gemeldet als Plätze zur Verfügung stehen. Das ist doch ein tolles Zeichen für einen Verein. Mit den meisten Kandidaten hatte ich vorher gesprochen und ihnen erläutert, was ich vorhabe, wenn ich die nächsten zwei Jahre als Präsident gestalten darf: nämlich eine ganze Menge. Das hat offenbar nicht abgeschreckt, sondern beflügelt.

Großartig, eine gewisse Bestätigung schon zu bekommen, solange die Planung nur auf dem Papier steht. Aus der Abstimmung geht eine wundervolle Zusammensetzung des Vorstandes hervor. Ich starte im Anschluss an die Mitgliederversammlung mit den frisch Gekürten gleich in die erste Sitzung. Besonders erfreulich auch: Im Verein hatte es in den Wochen zuvor einige Wellenschläge gegeben, die insbesondere eines der Präsidiumsmitglieder betrafen. Dieses Mitglied wurde fast einstimmig in einer Einzelabstimmung im Amt bestätigt. Einige Teilnehmer an der Mitgliederversammlung sprechen von der GSA als einer Familie und das spürt man in solchen Momenten besonders.

Römermann First Timers Welcome

Freitagfrüh, Ilja Grzeskowitz eröffnet als Convention Chair mit Noch-Präsident Peter Brandl die Convention. Vorher aber war ich beim First Timer´s Welcome, den Vizepräsident Michael Rossié jedes Jahr für diejenigen ausrichtet, die zum ersten Mal an einer Convention teilnehmen. Jeder stellt sich kurz vor, eine spannende Mischung aus „echten“ Anfängern und solchen, die sich nach langer beruflicher Karriere entschlossen haben, ihre Kompetenzen und Erfahrungen zu erweitern. Damit kann ich mich gut identifizieren, bin ich doch aus meinem Traumberuf Rechtsanwalt vor Jahren dazugestoßen, gerade weil dieser von einem sorgsamen Umgang mit Sprache lebt.

Der erste Vortrag klingt scheinbar wenig verlockend. Angekündigt ist Dr. Michael Stein vom Institut für Kommunikationsprozessoptimierung zum Thema „Chancen 2020 – der Rednermarkt im Einfluss der digitalen Evolution“. Dahinter verbirgt sich das GSA-Mitglied Jan Ditgen aus Hamburg, der unnachahmlich komisch das typische Gehabe im Speaker-Markt auf die Schippe nimmt. Floskel folgt auf Floskel, Videos, Bilder, Überheblichkeit des Bühnen-Matadors. Standing Ovations, und das zu Recht! Natürlich wurde auch ich parodiert, das gehört für Funktionsträger dazu, doch wenn es auf so hohem Niveau geschieht, freut man sich.

Hermien Elago folgt mit „Speaking Naked“ – „naked“ in diesem Fall nicht wörtlich zu nehmen, sondern als Synonym für ihre Offenheit. Hermien kommt aus Namibia, dem Land, in dem 2020 der Global Speakers Summit stattfindet. Viele GSA-Mitglieder werden dorthin reisen, auch ich, und ein solcher Vortrag macht Lust auf den Austausch mit den internationalen Kollegen.

Auch immer ein Gewinn: Dr. Boris Nikolai Konrad, CSP mit einem „Faktencheck für Redner“. Boris ist Wissenschaftler und widerlegt eine Reihe von unhaltbaren Statistiken und Behauptungen, die sich im Netz insbesondere zur Hirnforschung finden.

Anna Liotta

Bei den wie jedes Jahr parallel stattfindenden Workshops muss man sich entscheiden, wohin man geht. Das ist echt schwierig! Ich wähle Anna Liotta and Sylvie di Giusto mit “Pitfalls and Possibilities for Creating an Online, On-Demand Program as an Additional Revenue Stream”. Teile des Inhalts hatte ich schon bei der Convention der National Speakers Association (NSA) in Denver vor ein paar Wochen gehört. Das hatte mir so gut gefallen, dass ich gar nicht genug davon bekommen kann.

Noch dazu bei diesen Rednerinnen: Anna Liotta ist als frisch gebackene NSA-Präsidentin bald mein US-amerikanisches Pendant und eine „Power Woman“, die nicht nur Mitglied im gleichnamigen Zirkel der NSA ist, sondern diese Bezeichnung wahrlich verdient. Sylvie di Giusto ist eine Österreicherin, die seit Jahren in den USA beheimatet ist. Sie referiert unglaublich strukturiert, bodennah, konkret und achtet sehr auf den praktischen Nutzen für die Zuhörer. Ein Genuss!

Nachmittags fünf Vorträge à fünf Minuten. Ich fühle mich an unser PechaKucha erinnert, das wir seit neun Jahren in Hannover und seit einiger Zeit zudem (gemeinsam mit Ralf Schmitt) in Hamburg veranstalten (business-night.com), und auch das macht die Vorfreude groß. Bettina Hofstätter im Duett mit Martin Sänger: „Warum Männer die geileren Speaker sind“, selbstironisch, auf den Punkt. Philipp Kauthe: „Bitte, bleib in Deiner Blase! – ein satirischer Aufruf…“ – Silvia Agha-Schantl: „Hey Baby, bye Business?!” – Olga Geidane: „Value your time“ – zuletzt Margit Lieverz: „Aschenputtel – aus der Küche ins Rampenlicht“. Eine anregende Mischung, die ich unbedingt fortsetzenswert finde.

5x5 Fünf Vorträge je 5 Minuten

Dann der President’s Talk mit Anna Liotta „What’s Stopping Millennials or Gen Xers or Boomers from Hiring You – and What to Do About It by” und GSF-President Paul ter Wal, CSP, FPSA: “The future of Speaking, with the use the Global Speakers Federation.” Für 2022 ist die Kandidatur der GSA mega-knapp nicht gelungen (7 Stimmen im GSF für die GSA. 8 für den Gegenkandidaten). Wir setzen auf 2024, das ist der nächste erreichbare Termin. Im Rahmen meiner Präsidentschaft laufen schon die Vorbereitungen.

Ich möchte, dass die GSA noch internationaler wird, sich noch mehr verbindet, inspirieren lässt (und inspiriert), von unseren Freunden aus den USA natürlich, aber nicht nur von ihnen. Überall gibt es tolle Speaker, Namibia haben wir vorhin schon gesehen, unsere französischen Freunde sind auf der Convention unter anderem mit Past President Christine Morlet wunderbar vertreten, ebenso die Niederländer und viele andere. Der Blick über den Tellerrand ist im Speaker-Geschehen ebenso lebensnotwendig wie inzwischen ein Stück weit gewohnt, aber wir dürfen uns mit dem Bestehenden nicht zufriedengeben.

Präsident Peter Brandl spricht anschließend mit dem eigens aus San Francisco angereisten Christoph Burkhardt über die Offenheit und Toleranz gegenüber allen sexuellen Orientierungen. Da ist man sich auf der Bühne und im Publikum schnell einig.

Sylvie di Giusto macht den Abschluss mit “You’ve 7 Seconds. Make Them Count!”, damit geht der “fachliche” Teil, wenn man das bei Speakern überhaupt so nennen darf, rasch vorüber – allzu rasch eigentlich.

Speaker Games

Abends folgen traditionell die „Speaker Games“. Lutz Langhoff und „Jacqueline“ alias Gaston Florin moderieren und stellen den Teams aus „Präsidenten“ (Gaby Graupner, Martin Laschkolnig und ich sind als Funktionsträger angetreten) und anderen Mitgliedern Aufgaben, die zu lösen sind. Die anderen gewinnen (verdient).

Krönung des Abends: Ralf Schmitts traditionelle „William Wanker Party“ für einen guten Zweck, nämlich „Speaker in Not“. Die Suite ist wie üblich zum Bersten gefüllt, das bedeutet gute Einnahmen. Wer als Speaker krank wird oder unverschuldet in andere persönliche Probleme gerät, wird von der Familie nicht allein gelassen. Auch das ist eigentlich schon ein Grund, dabei zu sein: dieser „Spirit“, der alles andere als selbstverständlich ist. Ralf legt die Musik auf, altersgerecht. Es groovt.

Nicht allen Vorträgen des nächsten Tages können Lyudmyla und ich mit gleicher Konzentration und Präsenz folgen, unser 5-jähriges Töchterchen liegt mit hohem Fieber im 33. Stock, ihre zwei Brüder kümmern sich liebevoll, aber wir sind auch immer mal oben. Das ist auch deswegen schade, weil der zweite Convention-Tag weitere Highlights mit sich bringt.

Experts Group

Mittags gibt es runde Tische, an denen sich jeweils ein Experte positioniert hat, der eine Viertelstunde lang mit jenen spricht, die sich dort einfinden. Ich vertiefe Boris Nikolai Konrad und lerne von ihm, wie man Personennamen im Gedächtnis behält. Heißt jemand „Blume“, stelle Dir eine Rose oder Ähnliches vor. Das gelingt nicht immer, aber überraschend oft, wenn man damit bewusst umgeht. Dann zum Tisch von Frowa Schuitemaker und Matthias Garten: „Become A Presentation Hero“. Matthias kenne ich von der ersten GSA-Convention an und bewundere seine Art, aus Präsentationen noch mehr herauszuholen. Toller Input aus England: Alan Stevens, FPSA, MCIPR: “7 Ways to Get More Bookings”. Und natürlich wieder zu Jan Ditgen: „Das Rednervideo – So machen Sie richtig Eindruck“.

Nach der Mittagspause: Andreas Buhr, CSP: „Voice of Change!“ Andreas kann es einfach, ein großer Meister der Redekunst, der als GSA-Präsident auch große Fußabdrücke hinterließ, als seine Amtszeit damals endete.

Schlüsselübergabe

Nachmittags dann die „Schlüsselübergabe“. Peter Brandl versammelt alle bisherigen Präsidenten der GSA – mit einer Ausnahme sind alle da. Sigi Haider gibt den Schlüssel in der Reihenfolge der Präsidenten weiter. Gaby Graupner steht oben, Prof. Dr. Lothar Seiwert, Andreas Buhr, Martin Laschkolnig. Erfolgreiche Präsidenten, die die GSA aufgebaut und weitergebracht haben, jeder auf seine – sehr unterschiedliche – Weise. Was für ein „Erbe“ darf ich da antreten, als Peter letztlich mir diesen Schlüssel aushändigt. Es ist wirklich eine große Ehre, und das ist hier sicher keine Floskel, in dieser Tradition zu stehen.

Sigi und Claudia Haider hatten die Idee dereinst aus den USA mitgebracht und mit einem Riesen-Kraftakt umgesetzt. Zeitmanagement-Papst Lothar Seiwert hat Institutionen begründet, die bis heute die GSA prägen, Buchreihen, die Akademie etwa, den Deutschen Rednerpreis. Gaby ist auch heute noch, lange nach ihrer offiziellen Amtsdauer, unermüdlich beim Aufbau, sie hat die PEGs, die Professional Expert Groups, ebenso mit Leben erfüllt wie die REGs, die oft umtriebigen und quirligen Regionalgruppen der GSA. Andreas Buhr hat die GSA in turbulenter Zeit mit einem kaum vorstellbaren zeitlichen Engagement und einer echten Führung wieder auf die Zielgerade gebracht. Ich als sein Schatzmeister und er als mein Präsident, das war ein eng verbundenes Team. Martin schließlich, legendär seine Convention in Ulm. Auf einmal war die Familie erfahrbar, gelebte Integration und Spiritualität im besten Sinne.

Peters Werk darf ich in ein paar Sätzen des Dankes auf der Bühne würdigen. „Create – connect – communicate“, das war sein Motto in den letzten zwei Jahren und das hat er geliefert. Standing Ovations für unseren Präsidenten.

Danach darf ich etwas über meine Planung berichten. Ich stelle mich zunächst kurz vor, nicht jeder wird mich kennen, und erwähne Stationen meines Werdeganges: Die Geburtsstadt Hildesheim, die Studienorte Bayreuth, Genf, Tunis (Diplom an der internationalen Akademie für Verfassungsrecht), Paris (Sciences-Po, Sorbonne), das Referendariat in Brüssel (EU-Kommission, Generaldirektion Wettbewerb), ein halbes Jahr in Caracas, dann Hannover. Meine Familie, die dabei ist: Lyudmyla (Mila), die Söhne Sven (14) und Robert (5), auch die 5-jährige Eva ist erschienen (trotz anhaltenden Fiebers) und wird mich danach fragen, wieso auf einmal alle Blicke auf sie dort hinten im Saal gerichtet waren und warum wir eine so freundliche Begrüßung der Anwesenden erfuhren. Oft nehme ich die Familie zu Veranstaltungen mit: dieses Jahr natürlich Denver, aber auch Casablanca, wo ich im Juli vor 600 Teilnehmern eines Kongresses einen Vortrag in französischer Sprache halten durfte. (twitter.com/roemermann/).

Die nächsten zwei Jahre werden noch arbeitsreicher als es das Jahr, als „President Elect“ ohnehin schon war. Aber ich freue mich aus ganzem Herzen darauf, Arbeit hat mich noch nie erschreckt und irgendeine Zeitreserve gibt es immer, die man noch ausschöpfen kann. Die Internationalisierung hatte ich schon erwähnt, ich werde mich bemühen, die GSA bei möglichst vielen Schwesterveranstaltungen zu repräsentieren. Der Umbau der Akademie mit einer deutlichen Stärkung des Alumni-Prinzips steht auf meinem Programm, schließlich gibt es unheimlich viele positive Testimonials, man muss das „nur noch“ umsetzen. Der weitere Kontakt zu Hochschulen (Bettina Stark hat hervorragend vorgearbeitet). Die Erneuerung der Youth Convention (in Fortführung einer Idee von Martin Laschkolnig, die Andreas Buhr damals schon mal umgesetzt hatte). Das Präsidium, das Vorstandsteam, eine phantastische Geschäftsstelle und bald auch das neue GSA Advisory Board werden mich tatkräftig unterstützen.

Prof Dr Alfred Grosser

Abends die Gala. Mehrere Ehrungen stehen auf dem Programm. Ich darf als Vorsitzender des Komitees namens der GSA den Deutschen Rednerpreis verleihen. Den Preisträger kenne ich seit 29 Jahren. Ich war Student an einer der französischen Kaderschmieden: Institut d´Etudes Politiques, „SciencesPo“. Er war dort schon seit langer Zeit Professor. Sein Name sagte mir damals zunächst nichts, aber die Studenten pilgerten zu ihm, und auch für mich wurde seine Vorlesung zu einem fast magischen Ereignis. Prof. Dr. Alfred Grosser sprach donnerstags. Dank seines schon zu Beginn der 1990er Jahre fast mythischen Status durfte er sprechen, worüber er wollte. Und es war immer brillant, wirklich und buchstäblich immer. Wer sich mit Alfred Grossers Gedankengut beschäftigen möchte, kann auf zahllose Schriften zugreifen.

Auch in diesem Jahr war ich Alfred Grosser mal wieder begegnet, in Tiblissi. Ich dufte einen Vortrag zur Einführung des Wirtschaftsrechts in Georgien halten. Anschließend das Gespräch mit den anwesenden Kollegen, dem Justizminister, einigen hochrangigen Richtern, Anwälten. Auch über Politik. Präsidentin Georgiens ist Salome Surabischwili, auch sie hat bei Alfred Grosser studiert. Unglaublich, welche Strahlkraft ein Intellektueller wie er hat.

Grosser ist am 1. Februar 1925 in Frankfurt, der Stadt der diesjährigen GSA Convention, geboren. Sein Vater, Professor und Chef einer Kinderklinik, verließ mit Frau und zwei Kindern 1937 das Land, als er wegen seines jüdischen Glaubens aus dem Verband der Träger des Eisernen Kreuzes Erster Klasse ausgeschlossen wurde. Da wusste er: Es waren keine Ehrenmänner, die jetzt regierten. Respekt, Anerkennung, überhaupt die Grundlagen zivilisierten Umganges miteinander waren da nicht mehr zu erwarten. Paul Grosser hätte in Paris ganz neu anfangen müssen, er starb wenige Wochen nach der Ankunft der Familie dort, vielleicht aus Verzweiflung. Die Mutter bringt die Familie durch, wird Französin, das rettet vor der Inhaftierung, als der Weltkrieg beginnt. Sie flieht vor den Deutschen in den Süden, das Vichy-Gebiet. Unterwegs stirbt ihre Tochter, Alfred Grossers Schwester, an den Strapazen.

Alfred Grosser schlägt sich durch, ist fleißig, diszipliniert, wird 1955 Professor an SciencesPo. Als Germanist jedoch hat er Germanistik nie verstanden als Aufarbeitung der deutschen Grammatik des 18. Jahrhunderts. Grosser definiert das Fach neu: Alles, was mit Deutschland zusammenhängt. Die Verständigung Deutscher und Franzosen ist ein Lebensthema. Grosser wird drei Mal in den Deutschen Bundestag eingeladen, um zu sprechen. Was für ein „Speaker“, lange bevor dieses Wort gebraucht wurde. „Le Mensch“, eines seiner letzten Bücher, ist meine Leseempfehlung im Rahmen einer kleinen Laudatio auf unseren Preisträger.

Grosser hatte erst kurzfristig die Reise nach Frankfurt absagen müssen. Ich war kurz vor der Convention zu ihm gefahren, um die Ehrung zu überbringen. Ein kurzes Video kündigt den Convention-Teilnehmern davon. Der Saal ist gebannt von der Wucht dieses alten, weisen Mannes, der heute nicht physisch anwesend sein kann. Erneut Standing Ovations, anhaltend. Ein großer Redner, ein Mann von weltweitem Renommee. Die GSA kann stolz darauf sein, dass er den Preis angenommen hat. Alfred Grosser hat keine Preise mehr nötig. Dieses Jahr, um nur eine der Würdigungen zu nennen, die er erfahren hat, hatte Staatspräsident Macron ihm das Großkreuz der Ehrenlegion ausgehändigt.

Felix FinkbeinerErst 21 Jahre jung ist ein anderer Preisträger des Abends: Felix Finkbeiner. Er hatte den Streik für Klima erfunden, lange bevor die Welt von anderen Kindern und Jugendlichen erfuhr, die heute dafür stehen. Finkbeiner hat Bäume gepflanzt. „Plant for Planet“ heißt seine Organisation, die inzwischen in zahlreichen Ländern aktiv ist und buchstäblich Milliarden von Bäumen pflanzen konnte. Das tut dem Planeten gut und zeigt, was diese Generation verantwortungsvoll bewirkt. Felix ist als einer der weltweit aktiven Protagonisten dieser Bewegung gefragt. Seine Rede zu den Teilnehmern zeigt, dass er ein würdiger Träger des ersten Voices of Change-Awards ist. Peter Brandl hat das Privileg, Felix zu ehren, und er hält eine phantastische Laudatio.

Der dritte Preisträger des Abends ist eigentlich Jurist, war aber früh zum Speaking gekommen und hat Hunderttausende von Zuhörern begeistert: Marco von Münchhausen. Die Laudatio hält kein Geringerer als René Borbonus, und er verweist gewohnt klug auf die geistigen Grundlagen, die Werte, die uns aus der Antike überliefert sind und die von Menschen wie Marco von Münchhausen gelebt, ja: vorgelebt werden. Eine beeindruckende Laudatio, auf welche eine bewegende Dankesrede folgt.

Sonntag ist für viele der Tag der Abreise. Für mich steht noch der One Million Dollar Table auf der Agenda. Gaby Graupner und Heiko van Eckert haben in guter Tradition die GSA-Mitglieder versammelt, die mit ihren Unternehmen bestimmte Umsatzgrößen erreichen und daher den Austausch auch zu Fragen suchen, die nicht für jeden Speaker relevant sind. Ein kleiner Kreis, in dem offen Erfahrungen geteilt werden. Klaus Fink ist dabei, Hans-Uwe L. Köhler, Gregor Staub, Menschen, Kollegen, von denen man lernen kann. Das ist fruchtbar.

Eine Convention geht zu Ende, Abschied nehmen. Reich bepackt mit Visitenkarten, Notizen und Ideen machen wir uns auf den Heimweg und freuen uns auf Vaya Wieser-Webers WinterConference in Dresden, die erste Convention in meiner Amtszeit!