Maximilianeum – Bayerischer Mittelstandspreis

Mobilität und Klimawandel – eine brennende Frage der Zeit. Die 12. Verleihung des Bayerischen Mittelstandspreises

Am 21. November hatte ich die Gelegenheit, der 12. Verleihung des Bayerischen Mittelstandspreises in München nicht nur beiwohnen, sondern aktiv daran teilhaben zu können. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Europäischen Wirtschaftsforum e.V. Deutschland, das sich mit der Union mittelständischer Unternehmen e.V. und dem Bundesverband Deutscher Mittelstand e.V. zur Dachorganisation Wir Eigentümerunternehmer zusammengeschlossen hat.

„Tea Time“ mit Tacheles

Der Tag begann mit einer Nachmittagsveranstaltung im geschlossenen Kreis. Obwohl sie unschuldig klingend „Tea Time“ genannt wurde, hatte sie es inhaltlich in sich, weil das Thema des Tages ebenso aktuell wie kontrovers diskutiert wird. „Mobilität und Klimawandel“ lautete dieses Thema, zu dem ich nachmittags einen Vortrag halten und abends, im Rahmen der eigentlichen Preisverleihung, in einer Podiumsdiskussion Rede und Antwort stehen sollte.

Natürlich bin ich in meiner beruflichen Rolle kein ausgewiesener Experte für Automobiltechnik, Klimadebatte und die Problematik des CO2-armen Verkehrs in und zwischen deutschen Ballungsräumen. Als Wirtschaftsanwalt ist mir aber durchaus bewusst, was auf unsere Unternehmen zukommen würde, wenn die CO2-Steuer in der von vielen verlangten Höhe käme, wenn Fuhrparks komplett neu ausstaffiert werden müssten und wenn das Auto als eigentlicher Inbegriff von Mobilität und Flexibilität immer mehr gebrandmarkt und zurückgedrängt würde.

Klar wurde mir an diesem Tag aber auch wieder, wie intensiv auf allen politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Ebenen um eine gute Lösung für unser Land, nein: man muss hier sagen, für den Erdball gerungen wird. Und das weit jenseits aller Hysterie, die im Lager der Klimaschützer und dem ihrer Gegner die Tonalität dominiert. Die Anstrengungen müssten auf einer intellektuellen und forschungstechnischen Flughöhe unternommen werden, die im gängigen Politikbetrieb, gleich welcher Couleur, kaum einmal erreicht werden dürfte.

Wirtschaft, Wohlstand und Umwelt sind kein Widerspruch

Zur Tea Time waren ca. 30 Personen anwesend, darunter natürlich die Initiatoren des Mittelstandspreises und die späteren Preisträger des Abends, die aber noch inkognito unterwegs waren. Moderiert wurde der Nachmittag von Dr. Yorck Otto, Unternehmer, Strategieberater und Präsident der 1985 gegründeten Union mittelständischer Unternehmen e.V., der aktuell ca. 68.000 Unternehmen angehören.

Mein Vorredner war kein Geringerer als der ehemalige Bahnchef Prof. Dr. Rüdiger Grube zum Thema Mobilität in der digitalen Zukunft – Treiber künftiger Entwicklungen. Nach seiner Tätigkeit für die Deutsche Bahn fungiert er aktuell als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hamburger Hafen­ und Logistik Aktiengesellschaft (HHLA). Rüdiger Grube hat aber auch schon leitende Positionen in der Flug- und in der Automobilbranche durchlaufen und kennt daher das Thema Mobilität aus allen Blickwinkeln. Gelegentlich kommen auch in diesem Vollprofi Emotionen durch – etwa, wenn er berichtet, wie ausgerechnet die Grünen den Ausbau der Bahnmobilität beim Projekt Stuttgart 21 um Jahre zurückgeworfen haben.

Nach diesem „Schwergewicht der Mobilität“ und einer kleinen Diskussionsrunde trat ich mit meinem Vortrag Autoindividualverkehr 3.0 – weltweite Trends in den Ring. In ihm ging es nicht nur um die Frage der technischen Möglichkeiten, Herausforderungen und der weltweit bereits bestehenden Lösungsansätze, sondern auch darum, die gegenwärtige Diskussion aus ihrer zerstörerischen Irrationalität zu holen. Denn klar ist, dass die beste Lösung für diese Zukunftsfragen nicht an den extremen Polen der Kontroverse zu finden sein wird.

Logischerweise ist eine florierende Wirtschaft sinnlos, wenn sie unsere Lebensgrundlagen zerstört. Ebenso aber kann es sein, dass radikaler Klimaschutz, der übers Ziel hinausschießt, weil er mit seinem Absolutheitsanspruch keine Relationen mehr beachten mag, die Wirtschaft und damit die Fundamente des Wohlstands gefährdet. Es kommt auf eine gesunde Balance an und eine Verbesserung sowohl der Verkehrsträgertechnik als auch auf eine Linderung der Umweltfolgen, die sich aus der zunehmenden weltweiten Mobilität ergeben.

Dazu braucht es die Reibungsenergie der Kontroverse unbedingt als dialektische Kraft. Sie muss allerdings Teil eines gemeinsamen Ringens um die Welt sein, anstelle eines gegenseitigen Anfeindens, das die dringend nötige Konstruktivität zerstört.    

Start in einen spannenden Abend

Nach einer Führung, oder, wie das Programm titelte, einer „Expedition zu geheimen Ecken des Münchener Maximilianeums“ endete der Nachmittag gegen 18:15 Uhr im Steinernen Saal des altehrwürdigen Gebäudes und mündete in die Galaveranstaltung zur 12. Verleihung des Bayerischen Mittelstandspreises.

Im Jahr 1857 fertiggestellt, fiel das Maximilianeum im zweiten Weltkrieg zu guten Teilen alliierten Bombenangriffen zum Opfer und beherbergt seit dem Neuaufbau mit einigen Erweiterungen seit 1949 den bayerischen Landtag. Andere Gebäudeteile sind Stipendiaten vorbehalten, die während ihres jeweiligen Studiums kostenfrei Logis genießen. Wer nicht in sämtlichen Fächern die Bestnote 1,0 aufweisen könne und vom Direktorium der Schule empfohlen werde, sei chancenlos, sagte unser Führer, um mit einer Einschränkung fortzufahren: Franz-Josef Strauß sei hineingeschlüpft, obwohl er im Fach Sport lediglich die Note 2 erreicht habe.

Die Preisverleihung selbst zeugte dann wieder einmal davon, wie engagiert und unersetzlich der deutsche Mittelstand für unsere Gesellschaft ist. Ausgezeichnet in einer Art Oscarverleihung, wurden Preisträger aus den Bereichen Handel, Handwerk, produzierende Unternehmen und Dienstleistung. Eingerahmt wurde die Veranstaltung durch Klavierstücke nicht nur von Claude Debussy und Johann Sebastian Bach, sondern ebenso von Herbie Hancock und George Gershwin. Wer Klassik oder Jazz liebt oder beides, kam also auf voll auf ihre oder seine Kosten.

Die Verkehrsträger im Spannungsfeld des Klimawandels

Mein Abendeinsatz bestand in der Teilnahme an einer Podiumsdiskussion mit Dr. Ulrike Wolf, Ministerialdirektorin im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Prof. Dr. Rüdiger Grube sowie Volker B. Knittel, dem Vizepräsidenten des Europäischen Wirtschaftsforums e.V., als Moderator.

Als Motto der Diskussion wurde Die Verkehrsträger im Spannungsfeld des Klimawandels ausgegeben – ein Thema mit Spannweite also, das sich auch in den Fragen spiegelte, die nach und nach diverse Verkehrsträger und ihre Zukunftsperspektiven durchdeklinierten. Natürlich war dieses Szenario wieder eine phantastische fachliche Spielwiese für Rüdiger Grube, da er bereits federführende Aufgaben bei Daimler, bei der Deutschen Bahn sowie im Flugverkehr übernommen hatte und der jetzt in der weltweiten Logistik zu Hause ist.

Erlebnisse rund um die Welt

Ich selbst konnte von einer Reihe von Geschäfts- und Delegationsreisen berichten, in denen mir weltweit neue und alte Verkehrskonzepte begegneten. In Singapur etwa schlagen der Besitz und das Führen eines eigenen Autos mit ca. 300.000 Euro zu Buche, was den Verkehr ebenso in Grenzen hält wie das PKW-Nullwachstum, in dem neues Auto nur zugelassen werden kann, wenn ein anderes dafür verschrottet wird. Parallel will die Regierung des Stadtstaates in den kommenden Jahren ca. 13 Mrd. Euro in den öffentlichen Nahverkehr investieren.

In Ruanda habe ich jüngst erlebt, wie das erste Elektroauto des Landes seinen Betrieb aufnahm – ein konzertiertes Projekt von VW, die bis zu 50 Autos zur Verfügung stellen will, und Siemens, die für die Aufstellung von über 100 Ladesäulen im Land verantwortlich zeichnet. Denn eines dürfen wir bei aller Nabelschau und bei allem schlechten Gewissen in den wirtschaftsstarken Nationen nicht vergessen: Neben unserem eigenen nötigen, aber zuweilen eben auch unnötigen CO2-Verschleiß wird das Klima in den weniger entwickelten Ländern durch unzureichende Schutzmaßnahmen in allen umweltrelevanten Bereichen bedroht. Nicht nur hier – auch dort müssen wir etwas bewegen, und es ist klar, dass dafür Wirtschaft, Wissenschaft und Politik an einem Strang ziehen müssen.

Worüber wir nachdenken sollten

Alles in allem war dies ein wunderbarer Tag an der Schnittstelle von Verpflichtung und Inspiration in einem Bereich, der mich in den kommenden Jahren sicher noch viel öfter berühren wird. Aktuell tobt ja eine Diskussion um die Windenergie, in der man sich fast Sorgen machen muss, wenn man den Niedergang der deutschen Solarwirtschaft mit ihren zerstörten Unternehmen erlebt hat. Es ist nämlich das eine, zum Schutz der Umwelt mehr Windkraft zu fordern, aber ein anderes, sie nicht vor der Haustür haben zu wollen.

Wenn man zusätzlich dazu wirklich nach Gründen sucht, sich für einen Flug schämen zu müssen, findet man sie nicht unbedingt in den notwendigen Geschäftsreisen und vielen erholsamen Urlauben, zu denen sich Menschen auf den Weg machen. Er liegt beispielsweise in Portalen, die sinnlose, aber billige First-Class-Flüge irgendwohin vermakeln, damit die Gäste einen Spitzen-Vielfliegerstatus bekommen.

Und auch vor meiner Haustür tut sich einiges. So haben wir in Hannover jetzt den ersten grünen OB einer Landeshauptstadt, übrigens einen Juristen, der allerdings nur eines von zwei Examina absolviert hat. Man muss seine Idee einer autofreien Innenstadt nicht teilen, aber man sollte ihm zuhören. Das sind neue Konzepte, die denen, die das Autofahren als intuitive Selbstverständlichkeit erlernt haben, zunächst fremd vorkommen.

Ebenso eines seiner prominent platzierten Wahlplakate: „Weniger Autos – größere Freiheit“ stand dort zu lesen. War es nicht gerade umgekehrt, melden sich Fragen aus der Ideenwelt, in der ich aufwuchs, zu Wort. Die Zeiten wandeln sich und das Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit, das wir früher mit Automobilität verbanden, wird von vielen Betrachtern offenbar nicht mehr geteilt.

Klima und Mobilität – das sind Themen, die sicher nicht nur „mathematisch“ zu erfassen sind, sondern auch das Lebensgefühl von Generationen berühren.